{"id":2010,"date":"2026-01-13T09:47:15","date_gmt":"2026-01-13T09:47:15","guid":{"rendered":"https:\/\/phimale.ethz.ch\/?p=2010"},"modified":"2026-01-17T09:07:56","modified_gmt":"2026-01-17T09:07:56","slug":"altes-neu-aufleben-lassen-aber-bitte-ohne-den-staub-der-1950er-vamp-hs25-2-revamp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/phimale.ethz.ch\/index.php\/2026\/01\/13\/altes-neu-aufleben-lassen-aber-bitte-ohne-den-staub-der-1950er-vamp-hs25-2-revamp\/","title":{"rendered":"Altes neu aufleben lassen, aber bitte ohne den Staub der 1950er (VAMP HS25.2 reVAMP)"},"content":{"rendered":"<p>The following is our article published in the HS25.2 issue of VAMP:<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es gibt Dinge aus vergangenen Zeiten, die wir gerne wieder aufleben lassen: Vintage-Kleidung, Schallplatten, oder die F\u00e4higkeit, ein Buch zu lesen, ohne zwischendurch f\u00fcnfmal Mails zu checken. Und dann gibt es Dinge, die d\u00fcrfen ruhig in der Vergangenheit bleiben, zum Beispiel Overheadprojektoren oder die Vorstellung, dass das Wort \u201ePhysiker\u201c selbstverst\u00e4ndlich alle Menschen im H\u00f6rsaal meint.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Bei Phi:male, der Gleichberechtigungskommission des VMP, finden wir: Wenn wir schon Altes zur\u00fcckholen, dann bitte nur das Gute. Den Rest k\u00f6nnen wir zeitgem\u00e4\u00df verbessern.<\/span><\/p>\n<h2><b>Genderinklusive Sprache: Es ist 2025, nicht 1825<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sprachen ver\u00e4ndern sich. Das ist normal. Niemand verwendet heute noch \u201eFr\u00e4ulein\u201c in Bewerbungen oder Latein im Alltag (mit Ausnahme mancher Mathestudierenden, die gerne \u201eQ.E.D.\u201c sagen).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Genauso normal ist es, unsere Sprache inklusiver zu gestalten. Nicht, weil jemand empfindlich w\u00e4re, sondern weil Sprache Realit\u00e4t pr\u00e4gt. Wenn wir nur \u00fcber \u201ePhysiker\u201c sprechen, f\u00fchlen sich manche Menschen eben nicht mitgemeint. Und die Daten zeigen, dass das nicht nur Einbildung ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Unser Ziel ist deshalb nicht, euch zu bevormunden oder ein Sternchenpflichtprogramm einzuf\u00fchren. Uns geht es darum, ein Bewusstsein zu schaffen. Eine kleine \u00c4nderung im Satzbau kann ein gro\u00dfes Signal senden. N\u00e4mlich: \u201eDu geh\u00f6rst hierhin.\u201c<\/span><\/p>\n<h2><b>Diskriminierung in der akademischen Welt: Alt, aber kaum nostalgisch<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Einige Traditionen der Wissenschaft haben Nostalgiepotenzial: die Feynman Lectures, elegante Tafelbeweise oder der innige Glaube, dass Kaffee eine vollwertige Mahlzeit ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Andere Traditionen brauchen wir nicht zur\u00fcck. Etwa die, dass Frauen* und FLINTA-Personen in Physik und Mathematik systematisch unterrepr\u00e4sentiert sind. Oder dass sie h\u00e4ufiger unterbrochen werden, wenn sie sprechen. Oder dass ihnen \u00f6fter erkl\u00e4rt wird, was sie eigentlich selbst erkl\u00e4rt haben.<\/span><\/p>\n<h2><b>Die Leaky Pipeline: Wenn das Rohr tropft, verlieren wir Menschen<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Vielleicht habt ihr schon von unserem Projekt zur Untersuchung des Leaky-Pipeline-Ph\u00e4nomens geh\u00f6rt. Falls nicht: Stellt euch ein Rohr vor, durch das talentierte Menschen flie\u00dfen sollen, von der Schule in den Bachelor, weiter in den Master, die Forschung und irgendwann in die Professur.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Jetzt stellt euch vor, dieses Rohr h\u00e4tte unterwegs L\u00f6cher. Kleine, gro\u00dfe, konstante Tropfer, manchmal auch richtige Strahlverluste.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Durch diese Undichtigkeiten gehen uns Menschen verloren. Und zwar \u00fcberdurchschnittlich viele Frauen und marginalisierte Personen. Nicht, weil sie weniger talentiert w\u00e4ren, sondern weil die Bedingungen schlechter werden: fehlende Vorbilder, stereotype Erwartungen, ungleiche F\u00f6rderung, Ausschlussmechanismen und subtile wie auch offene Formen von Diskriminierung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Unser Projekt untersucht diese Pipeline an der ETH. Wo verlieren wir besonders viele Menschen? Und wie k\u00f6nnen wir die L\u00f6cher abdichten?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Duct-Tape reicht daf\u00fcr nicht aus. Gute Daten, ehrliche Diskussionen und strukturelle Ver\u00e4nderungen dagegen schon.<\/span><\/p>\n<h2><b>Zur\u00fcck in die Zukunft<\/b><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wenn wir Altes neu aufleben lassen wollen, dann nehmen wir die guten Dinge mit: wissenschaftliche Neugier, Begeisterung f\u00fcr Probleme, die eigentlich niemand freiwillig l\u00f6sen will, und die F\u00e4higkeit, nachts um drei noch 200 Zeilen Code zu debuggen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die schlechten Dinge lassen wir mutig hinter uns. Traditionen kann man weiterf\u00fchren, ohne ihre blinden Flecken mitzuschleppen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sprache, Strukturen und unser Umgang miteinander d\u00fcrfen wachsen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Wissenschaft soll es schlie\u00dflich auch.<\/span><\/p>\n<p>Daniel Gotsmann, Naomi Saillen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>The following is our article published in the HS25.2 issue of VAMP: Es gibt Dinge aus vergangenen Zeiten, die wir gerne wieder aufleben lassen: Vintage-Kleidung, Schallplatten, oder die F\u00e4higkeit, ein Buch zu lesen, ohne zwischendurch f\u00fcnfmal Mails zu checken. 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